Archiv für den Monat: September 2018

Hankook statt Pirelli?

Die Formel 1 hat für die Saison 2020 zwei Reifenhersteller, die sich um ein Engagement in der Königsklasse bewerben. Neben dem aktuellen Ausrüster hat auch Hankook eine Meldung bei der FIA eingereicht. Für die Südkoreaner wäre es die erste Saison überhaupt in der Formel 1.

Pirelli in der Favoritenrolle

Die Entscheidung, welcher Hersteller die Königsklasse ab 2020 beliefern wird, soll noch heuer fallen. Als Favorit gilt Pirelli, die Italiener sind seit 2011 alleiniger Reifenlieferant. Nach einer ordentlichen Debütsaison gab es vor einigen Jahren Kritik an den sehr schnell abbauenden Reifen, besonders der Große Preis von Großbritannien 2013 war ein Tiefpunkt für Pirelli, da über das gesamte Wochenende gleich mehrere Piloten Reifenplatzer erlitten. Seit der vergangenen Saison, als das Reifenreglement geändert wurde, scheinen die Italiener aber auf einem guten Weg. Besonders die Einführung des sehr weichen Hypersoft-Reifens fand bei den Formel 1 Teams und Fahrern Anklang.

Dass ab 2020 sowohl Pirelli als auch Hankook die Formel 1 beliefern ist indes ausgeschlossen, da die FIA einen „Reifenkrieg“ verhindern will. Zuletzt gab es von 2001 bis 2006 zwei Hersteller, damals matchten sich Bridgestone und Michelin in teilweiser sehr kostspieliger Manier um die Vorherrschaft beim schwarzen Gold. Von 2007 bis 2010 waren dann die Japaner alleiniger Lieferant, ehe Pirelli das Zepter übernahm. Obwohl Hankook noch nie in der Formel 1 tätig war, ist die Erfahrung im Motorsport vorhanden. Derzeit wird unter anderem die Formel 3-EM beliefert, auch in verschiedenen Tourenwagen-Serien war man bereits aktiv.

Michelin-Rückzug

Keine Meldung gab entgegen Spekulationen Michelin ab. Die Franzosen galten als möglicher Zulieferer, da die Marke bereits langjährige Formel-1-Erfahrung hat und als Wunschkandidat von FIA-Präsident Jean Todt galt. Dieser wusste schon längere Zeit vom Verzicht Michelins. „Ich habe bereits im August erfahren, dass sie kein Interesse haben“, so der ehemalige Ferrari-Teamchef. Einen Favoriten aus Pirelli und Hankook wollte der Franzose nicht nennen.

Das nächste Rennen der F1 Saison 2018 wird der Grand Prix in Russland. Bisher gab es vier Rennen in de russischen Hafenstadt, die vor allem durch die Austragung der olympischen Winterspiele bekannt geworden ist. Bei GP von Sotschi 2018 braucht Sebastian Vettel dringend einen Sieg, um noch um den Titel mitfahren zu können. Sollte Lewis Hamilton einen Sieg einfahren, wäre der Kampf und die Fahrer-WM wohl endgültig entschieden.

Vettels WM-Chancen dahin?

Sechs Rennen vor Ende der Formel-1-Saison 2018 steht Sebastian Vettel mit dem Rücken zur Wand: 40 Punkte fehlen dem Ferrari-Star auf WM-Leader Lewis Hamilton, zuletzt schlichen sich beim Deutschen und seinem Rennstall immer wieder Fehler ein. Die Expertenmeinungen darüber, ob der vierfache Weltmeister im Titelrennen noch Chancen hat, gehen auseinander. Die F1 Wettanbieter sehen Hamilton schon als Titelträger, die Quote auf den Briten ist bereits unter die 1,2 gerutscht.

Coulthard vermisst Siegeswille

Ex-Formel-1-Pilot und Sky-Experte David Coulthard glaubt nicht mehr an eine Wende zugunsten des 31-jährigen. Der Schotte vermisst bei Vettel und seinem Ferrari-Team den unbedingten Siegeswillen, der Mercedes auszeichne. „Ich habe den Eindruck, dass Vettel und Ferrari das Titelrennen auf die leichte Schulter nehmen. Mir fehlt der unbedingte Wille, den Titel zu gewinnen“, so der Vizeweltmeister von 2001. Deutlich wurde dies laut „DC“ etwa in Hockenheim, wo Vettel durch einen Fahrfehler den Sieg wegschmiss, in der anschließend Medienrunde aber relativ locker wirkte. Auch fahrerisch sieht Coulthard für den Heppenheimer Nachteile. „Er und Hamilton sind beide sehr gut und schnell, im Zweikampf ist Lewis aber besser“, bricht der Brite eine Lanze für seinen Landsmann. In die gleiche Kerbe schlägt Ex-Williams-Pilot Alessandro Zanardi, der Mercedes als zu stark ansieht. „Man hat bei Ferrari einfach nicht den Eindruck, dass alles zusammenpasst. Mercedes ist so ein eingespieltes Team, sie machen keine Fehler“, analysiert der ehemalige ChampCar-Meister.

Nach wie vor von einer Titelchance Vettels überzeugt ist hingegen sein ehemaliger Teamchef Christian Horner. Der Red Bull-Teamchef kennt den 52-fachen GP-Sieger in- und auswendig, gemeinsam gewann man vier Fahrerweltmeisterschaften. Horner verweist auf die Saison 2012, als Vettel zeitweise bereits 44 Punkte Rückstand auf Fernando Alonso hatte, nur um sich am Ende trotzdem die Krone aufzusetzen. „Unter Druck ist er normal sehr gut und er hat es schon Mal geschafft, einen solchen Rückstand aufzuholen“, traut der Brite seinem ehemaligen Schützling die Wende noch zu.

Vettel glaubt noch an Titelgewinn

Auch Vettel selbst gibt sich vor dem Endspurt cool und selbstbewusst. „Das ich es kann habe ich schon viermal bewiesen. Ich weiß, dass wir ein gutes Auto haben, deshalb bin ich optimistisch“, so der Deutsche, der aber beim kommenden F1 Grand Prix 2018 in Russland wohl endlich Punkte gutmachen muss, um seine Chancen aufrecht zu erhalten.

Riesenschritt für Hamilton im Titelkampf

Lewis Hamilton ist weiterhin nicht zu stoppen. Der amtierende Weltmeister feiert in Singapur den siebten Saisonsieg und setzt sich in der Gesamtwertung weiter von Rivale Sebastian Vettel ab. Während Ferrari erneut patzt zeigte Mercedes einmal mehr eine perfekte Leistung.

„Jetsetter“ Hamilton in Überform

Bereits am Samstag setzte Hamilton das Highlight des Wochenendes. Mit einer sensationellen Runde, die der Brite später als „magisch“ bezeichnete, holte der vierfache Weltmeister überraschend die Pole-Position. Am Rennsonntag ließ Hamilton dann nichts mehr anbrennen und cruiste in souveräner Manier zu seinem insgesamt 69. GP-Erfolg. Mercedes-Teamchef Toto Wolff kam angesichts der erneuten Meisterleistung seines Starpiloten nicht aus dem Schwärmen heraus und nannte die Performance seines Schützlings „Sternenstaub“.

Tatsächlich lieferte Hamilton im Glücksspiel-Mekka einmal mehr eine bärenstarke Vorstellung. Obwohl Ferrari als Favorit in das Wochenende ging, stach der 33-jährige seine roten Rivalen erneut aus und baute seinen Vorsprung in der Weltmeisterschaft auf 40 Punkte aus. Bei noch sechs ausstehenden Rennen muss Ferrari angesichts Hamiltons Überform wohl auf einen Ausfall des Briten hoffen. Dieser ließ die Kritiker an seinem „Jetset-Leben“ in Singapur wiedermal verstummen. „Ich bin nach Monza in Shanghai, New York und dann Italien gewesen. Ich brauche diesen Lifestyle, er stimuliert mich“, so Hamilton.

Enttäuschung bei Ferrari

Für Ferrari bedeutete der Verlauf des GP von Singapur 2018 einen weiteren Schlag in die Magengrube. Im Vorfeld als großer Favorit gehandelt, konnten die Roten weder im Qualifying noch im Rennen mit Mercedes mithalten, schlussendlich überquerte Vettel als Drittplatzierter mit fast 40 Sekunden Rückstand auf Sieger Hamilton die Ziellinie. Einmal mehr leistete sich die Scuderia einen Patzer am Kommandostand. Ein zu früher Boxenstopp von Vettel brachte den Deutschen hinter Max Verstappen, der Red Bull-Pilot schnappte den Roten damit weitere wertvolle Punkte weg. Vettel will die Jagd auf seinen fünften WM-Titel aber noch nicht aufgeben. „Wir müssen alles richtig zusammenbringen, dann ist noch etwas möglich. Wenn wir die restlichen Rennen gewinnen, haben wir den Titel“, äußerte sich der Heppenheimer. Angesichts des großen Punkterückstands wirken derartige Aussagen aber eher wie Durchhalteparolen.

Bei den F1 Wetten Quoten auf den WM Sieg 2018 hat Hamilton nur noch eine Gewinnquote von 1,15. Sebastian Vettel liegt bei einer Weltmeister-Quote von 4,5, die restlichen Fahrer haben quasi keine Chanche mehr, den Titel in dieser Saison zu holen.

Leclerc und Räikkönen tauschen Cockpits

Die Fahrerentscheidung bei Ferrari ist gefallen. Die Scuderia setzt in der kommenden Saison neben Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel auf den 20-jährigen Monegassen Charles Leclerc. Damit kommt es zu einem Cockpittausch mit Kimi Räikkönen, da der 38-jährige Finne bei Sauber Alfa Romeo unterschreibt. Vor dem GP von Singapur 2018 ist somit die nächste wichtige Entscheidung für die neue Saison gefallen.

Jüngster Ferrari-Pilot aller Zeiten

Für Leclerc geht nach eigener Aussage „ein Traum in Erfüllung“. Der Formel-2-Champion des vergangenen Jahres ist seit mehreren Jahren Teil des Ferrari-Juniorprogramms und schaffte nun als erstes Eigengewächs den Aufstieg in das Formel-1-Team der Roten. Auf Instagram bedankte sich der 20-jährige bei Ferrari, Sauber und seiner Familie, zudem sendete er eine emotionale Botschaft an seinen verstorbenen Freund Jules Bianchi. Leclerc gilt nach anfänglichen Schwierigkeiten als Entdeckung der Saison, Highlight war Platz sechs in Aserbaidschan. Neo-Teamkollege Vettel adelte den Monegassen bereits, warnte aber auch davor, dass der mit viel Druck verbundene Platz bei Ferrari zu früh für Leclerc kommen könnte. Die Situation erinnert an das Jahr 2014, als Platzhirsch Vettel bei Red Bull von Neuling Daniel Ricciardo in den Schatten gestellt wurde. Ob Leclerc Ähnliches erreichen kann wird sich zeigen, zuzutrauen ist dem Youngster viel.

Sauber-Comeback für Kimi

Für Räikkönen bedeutet der Abschied von Ferrari das Ende einer Ära. Von 2007 bis 2009 sowie seit 2014 war der „Iceman“ für die Italiener aktiv, insgesamt feierte er neun GP-Siege und ist mit seinem Titelgewinn im Debütjahr bis heute der letzte Ferrari-Weltmeister. Mit dem Wechsel zu Sauber schließt sich für Räikkönen ein Kreis: 2001 debütierte der Finne für die Schweizer in der Königsklasse und konnte mit einer starken Saison McLaren-Teamchef Ron Dennis auf sich aufmerksam machen, der ihn prompt unter Vertrag nahm. Sauber-Teamchef Frederic Vasseur freut sich auf die Zusammenarbeit mit Räikkönen und sieht in der Verpflichtung des 20-fachen GP-Siegers „einen wichtigen Schritt, um unsere Ziele zu erreichen“. Der Kontrakt mit dem Routinier geht bis 2020.

Räikkönen selbst hält bereits jetzt einige Formel 1 Rekorde, so ist der Finne etwa der Fahrer mit den meisten zweiten und dritten Plätzen in der gesamten Motorsportszene.

Drittes Auto in der Formel 1?

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff spricht sich dafür aus, dass in der Formel 1 in Zukunft drei Autos pro Team eingesetzt werden dürfen. Der 46-jährige Wiener will damit auf die Tatsache reagieren, dass die Mercedes-Junioren Esteban Ocon, Pascal Wehrlein und George Russell in der nächsten Saison ohne Cockpit in der Königsklasse dastehen könnten.

Mehr Plätze für Nachwuchsfahrer?

Wolff hinterfragt den Sinn eines Programms für Nachwuchsfahrer, wenn diese nicht die Möglichkeit bekommen, in der Formel 1 Fuß zu fassen. „ Jedes Jahr 80, 90, 100 Millionen in ein Juniorteam zu stecken, nur damit unsere jungen Fahrer keinen Platz haben, ist nicht das, was ich möchte“, so der Mercedes-Boss. Tatsächlich erschwert die Mercedes-Unterstützung dem ein oder anderen Fahrer die Cockpitsuche sogar. Force India-Pilot Esteban Ocon etwa, der im nächsten Jahr von Lance Stroll abgelöst wird, wäre laut Red Bull-Teamchef Christian Horner ein „perfekter Kandidat“ für Toro Rosso, aufgrund seines Vertrags mit den Silberpfeilen will man den hochtalentierten Franzosen aber nicht verpflichten. Ähnlich die Situation bei Formel-2-Leader Russell sowie Wehrlein, der bereits heuer durch die Finger schaute. Die Lösung ist für Wolff der Einsatz eines dritten Boliden, welcher für Nachwuchsfahrer vorgesehen ist. „Wir setzen Fahrer mit maximal zwei Jahren Erfahrung und diese ’new kids on the block‘ fordern und überraschen dann die Lewis‘ und Valtteris dieser Welt“, führt der Österreicher aus.

Skepsis bei Horner und Brown, Williams dagegen

Bei den Teamchefs anderer Rennställe stößt die Idee auf wenig Gegenliebe. Horner etwa bezeichnete die Idee zwar als „interessant“, hält sie aber für nicht umsetzbar, da „die kleineren Teams dagegen sein werden“. Auch McLaren-Chef Zak Brown zeigt sich nicht grundsätzlich abgeneigt, sieht aber Probleme bei der Umsetzung. Deutliche Worte fand Claire Williams, deren Rennstall derzeit in der Krise steckt. „Wir wären nicht dafür, da es ohnehin schon Kooperation zwischen den Teams gibt. Drei Autos wären ein weiterer Schritt in die falsche Richtung“, so die Tochter von Teamgründer Frank Williams.

Der nächste Grand Prix findet übrigens in Singapur statt. Die Formel 1 Wetten dazu haben wir wie immer für euch auf unserer Startseite. Sollte Sebastiean Vettel noch ein Wörtchen um den Titel mitreden wollen, braucht der Ferrari Pilot unbedingt einen Sieg.