Archiv für den Monat: August 2020

Wer wird „Best of the rest“?

Die Formel-1-Saison 2020 steht bislang im Zeichen von Mercedes und Red Bull Racing. Alle sechs Siege machten sich die beiden dominierenden Teams bisher untereinander aus, dahinter ist es allerdings spannend: mit McLaren, Racing Point, Ferrari und Renault kämpfen gleich drei Rennställe um den dritten Rang in der Konstrukteurswertung.

McLaren will kämpfen

In den vergangenen Jahren waren die ersten drei Plätze meist schnell vergeben, zu überlegen agierten Mercedes, Red Bull und Ferrari. Aufgrund der heurigen Schwäche der Scuderia haben allerdings mehrere Teams Lunte geruchen, diese Phalanx zu durchbrechen und den finanziell lukratven und prestigeträchtigen Bronzeplatz zu belegen. In der Pole-Position befindet sich derzeit Racing Point. Die pinkfarbenen Boliden stehen derzeit bei 63 Punkten, 15 wurden beim Großen Preis der Steiermark aufgrund des erfolgreichen Renault-Protests gegen die Bremslüftungen abgezogen. Weitere Punkteabzüge sind durchaus möglich, dennoch dürfte die „Mercedes-Kopie“ weiterhin ganz vorne mitkämpfen. Besonders im Qualifying gehört der Racing Point zu den schnellsten Autos der bisherigen Saison. Nur einen Zähler dahinter liegt McLaren. Die Briten sind bislang das einzige Team neben Mercedes, Red Bull und Ferrari, dass heuer einen Podestplatz verzeichnen konnte. Nach dem furiosen Auftakt beim Spielberg-Doppel lahmte der MCL35 zuletzt vor allem im Zeittraining, Teamchef Andreas Seidl kündigte aber Updates an, um im Kampf um Platz drei den Anschluss zu halten. Die große Enttäuschung der Saison ist Ferrari. Besonders Vierfachweltmeister Sebastian Vettel kommt bisher nicht wirklich in die Gänge, der Deutsche hält lediglich bei 16 Punkten. Besser ergeht es Charles Leclerc, der Monegasse konnte bereits zweimal aufs Stockerl fahren – dennoch liegen die Roten nur auf Rang fünf. Bei den meisten Buchmachern gibt es noch Formel 1 Wetten auf die Konstrukteurs-Wertung.

Renault enttäuscht

Außenseiterchancen hat Renault. Das Team um Daniel Ricciardo und Esteban Ocon konnte den Speed der Top Fünf bislang aber nur selten mitgehen und liegt bereits etwas abgeschlagen auf Rang sechs. Vom großen Ziel, unter die Top drei der Königsklasse zu kommen, sind die Franzosen damit auch im fünften Jahr nach dem Wiedereinstieg weit entfernt.

Vettel-Zukunft weiter ungewiss

Die Zukunft von Sebastian Vettel gehört zu den spannendsten Themen der „Silly Season“ im Formel-1-Jahr 2020. Der vierfache Weltmeister, der Ferrari mit Saisonende nach sechs gemeinsamen Jahren verlassen wird, wurde zuletzt immer wieder mit Racing Point in Verbindung gebracht. Nun könnte es aber zu einer Wende kommen.

Was macht Aston Martin?

Das Team um Besitzer Lawrence Stroll, das im nächsten Jahr als Aston Martin-Werksteam an den Start gehen wird, hat neben Vettel weitere Optionen, die offenbar derzeit bevorzugt werden. Sergio Perez gehört seit 2014 zum Team und ist seitdem die klare Nummer eins. Teamchef Otmar Szafnauer, privat ein Freund Vettels, gilt als Befürworter des Mexikaners, der die vergangenen beiden Silverstone-Rennen aufgrund eines positiven Corona-Tests verpasste. Perez, der für das Racing Point-Vorgängerteam insgesamt fünf Podestplätze holen konnte, soll sich der Gefahr einer möglichen Vettel-Verpflichtung bewusst sein und seinen Förderer Carlos Slim um eine Finanzspritze gebeten haben, um sein Cockpit abzusichern.

https://twitter.com/sebvettelnews/status/1293247422873862145

Rein sportlich wäre ein Abgang von Lance Stroll die wahrscheinlichste Variante, Teamboss Lawrence wird seinen Sohn aber kaum auf die Straße setzen. Für den Transfer von Vettel zu den „rosaroten Panthern“ sprechen vor allem Name und Erfahrung des 53-fachen GP-Siegers. Besonders Stroll soll sich von einem Superstar im Cockpit neue Sponsoren erwarten, die, im Kampf um die Spitze, nötig sein werden. Gegen den Heppenheimer sprechen derzeit vor allem seine aktuellen Leistungen – in Silverstone machte er gegen Teamkollege Charles Leclerc keinen Stich.

AlphaTauri-Coup?

Während ein Wechsel zu Red Bull als sehr unwahrscheinlich gilt, könnte sich für Vettel eine weitere, lukrative Option auftun. Je nachdem, was schlussendlich beim Protest gegen die „Mercedes-Kopie“ Racing Point endgültig herauskommt, könnten die Bullen in der Saison 2021 vier fast idente Boliden an den Start bringen – zwei im A-Team, zwei bei AlphaTauri. Der mittlerweile 33-jährige Vettel, „back to the roots“ zu jenem Team, wo er 2008 seinen ersten GP-Sieg feiern konnte? Eine Idee mit Charme – und in verrückten Zeiten wie diesen keineswegs unwahrscheinlich. Für die Formel 1 Wetten wäre der Wechsel auch sehr interessant, wir werden unsere Augen offen halten, ob es vielleicht Quoten auf den Teamwechsel gibt.