Die größten Skandale in der Formel 1 – Teil 2

Hier ist die Fortsetzung des ersten Teils unserer Rubrik „die größten Aufreger der Formel 1“.

„Irgendetwas passiert immer. Hier wird es nie friedlich sein“, so das Kommentar von Formel 1-Boss Bernie Ecclestone in Anspielung auf die immer wiederkehrenden Skandale in der Königsklasse des Motorsports.

Doch vielleicht ist es auch genau das, was die Formel 1 so interessant macht. Die Mischung aus Professionalität, Disziplin und Genauigkeit gepaart mit einer Portion Leichtsinn, Egoismus und Ehrgeiz, darüber eine Prise Skandalösität und fertig ist das Rezept, das Formel 1-Geschichte schreibt.

Im Laufe der Formel 1 Historie, welche im Jahr 1950 ihren Anfang fand, trugen alle am Rennzirkus Beteiligten dazu bei, dass der Presse niemals die Stories ausgingen. Vom Fahrer, über den Teamchef bis zum Mechaniker waren alle bemüht, das Repertoire an erwähnenswerten, skurrilen und atemberaubenden Geschichten über die Jahre immer wieder zu erweitern.

Hier Teil zwei der interessantesten Vorkommnisse auf und neben der Formel 1-Strecke:

Fernando_Alonso_Mercedes_FerrariMcLaren, Ferrari und der Copyshop: Das Jahr 2007

2007 verlor McLaren alle Punkte, die das Team eingefahren hatte, und musste 100 Millionen US Dollar Strafe zahlen. Fernando Alonso trat als Kronzeuge gegen die eigene Mannschaft auf. Ausgelöst hatte diese härteste Geldstrafe in der Geschichte der Königsklasse eine bemerkenswerte Spionage-Affäre: Nigel Stepney von Ferrari und Mike Coughlan von McLaren tauschten regelmäßig Daten aus.

Stepney wurde mitten in der Saison 2007 von Ferrari entlassen, „wegen Unregelmäßigkeiten“, wie es offiziell hieß. Zugleich erklärte die Scuderia, dass man gegen einen Ingenieur von McLaren ermittele, der sich kurze Zeit später als Coughlan entpuppte. Den beiden Männern waren ihre Jäger durch weißes Pulver auf die Spur gekommen, dass man im Tank von Felipe Massa gefunden hatte. Offenbar handelte es sich um einen chemischen Stoff, der die dortige Zusammensetzung analysieren sollte. Verdachtsmomente, dass der weiße Stoff den Renner von Massa lahmlegen sollte, erwiesen sich als unhaltbar.

Ferrari konnte Stepney als denjenigen identifizieren, der das Pulver eingefüllt haben musste. Bei den weiteren Untersuchungen stellten die Italiener fest, dass der Brite auch vertrauliche Dokumente weitergegeben haben musste. Als die Scuderia diesen folgte, stieß sie auf Coughlan, den Stepney wiederholt getroffen hatte.

Der McLaren-Mann konnte dann auf frischer Tat ertappt werden. In einem Copyshop war er gerade dabei, die Dokumente zu vervielfältigen, als er verhaftet wurde. McLaren versuchte anschließend zu beweisen, dass der Chefentwickler des eigenen Teams ohne Anweisung gehandelt hätte. Bis zum heutigen Tag beharrt man bei McLaren auf dieser Version. Allerdings konnte man sich mit dieser Version der Dinge nicht durchsetzen. Die Aussage von Alonso belastete den Rennstall schwer und führte zum endgültigen Zerwürfnis zwischen Ron Dennis und dem Spanier.

Das Nachspiel ist umso brisanter: Seit 2010 fährt Alonso für Ferrari. Freunde von Verschwörungstheorien vermuten schon lange, dass die Zeugenaussage des Spaniers etwas mit seinem späteren Arbeitsvertrag bei der Scuderia zu tun gehabt haben könnte.

Spygate zwischen Shadow und Arrows: Das Jahr 1978

Es war aber nicht das erste Mal, das geheime Dokumente von einem Team an ein anderes weitergegeben worden waren. Den unrühmlichen Anfang machte – zumindest soweit es bis heute bekannt ist – Tony Southgate im Jahr 1978. Der Brite galt bis dahin als der weltweit beste Ingenieur und war entsprechend begehrt. Das Arrows-Team überzeugte Southgate mit viel Geld im Winter 1977/78 seinem bisherigen Arbeitgeber Shadow den Rücken zu kehren und künftig für das neue Team, das 1978 erstmals am Rennbetrieb teilnehmen würde, ein Auto zu bauen.

Southgate hatte den neuen Shadow zu diesem Zeitpunkt allerdings schon so gut wie fertig gestellt. Die gesamten Konstruktionspläne des Fahrzeugs lagen bereits vor. Es folgten bemerkenswerte Ereignisse: Southgate packte im Pre-Computer-Zeitalter die entsprechenden Dokumente einfach in seinen Aktenkoffer und nahm diese mit zu Arrows. Ein besonderes Schuldbewusstsein scheint er dabei nicht gehabt zu haben, denn er baute einen exakten Clon des Shadow-Wagens.

Sein Ex-Arbeitgeber erhob Klage und sagte aus, der Brite habe kein Recht gehabt, ein exaktes Duplikat zu bauen. Die Konstruktionspläne seien geistiges Eigentum von Shadow. Southgate erwiderte, dass es sich immerhin um seine Pläne gehandelt habe, die er zum größten Teil erarbeitet habe. Es half nichts: Das Gericht gab Shadow Recht, sprach allerdings Arrows frei. Southgate wurde persönlich dazu gezwungen, 500.000 Dollar Schadenersatz an Shadow zu bezahlen und musste zudem ein komplett neues Auto bauen. Der legale Arrows war jedoch deutlich schwächer.

Bridgestone, Michelin und Indianapolis: Das Jahr 2005

Vor der Saison 2005 gab es eine der umfassendsten Regeländerungen in der Geschichte der Formel 1. Micheal Schumacher und Ferrari hatten in den Jahren zuvor fünf Fahrer und sechs Team-Weltmeisterschaften in Serie gewinnen können. 2004 war die Dominanz der Scuderia angsteinflößend groß. Schumacher gewann 13 von 18 Läufen, nur zwei Mal war kein Ferrari-Pilot Sieger. Man entschied deshalb bei der FIA, die rote Dominanz mit Gewalt zu brechen.

Die auffälligste Änderung war das Verbot der Reifenwechsel. Das japanische Team Bridgestone, das bis dahin einen Vorsprung hatte, verlor diesen wieder. 2005 waren mit Ausnahme von Ferrari alle Topteams auf Michelin-Reifen unterwegs. Überhaupt nur drei Mannschaften vertrauten nach wie vor auf Bridgestone. Das Ergebnis ist legendär: Die Reifen der Japaner waren miserabel verglichen mit denen der Franzosen. Die Weltmeisterschaft machten weitgehend McLaren und Renault untereinander aus. Ferrari hatte nicht den Hauch einer Chance.

Doch es gab da ja noch den Großen Preis der USA in Indianapolis. Bridgestone belieferte unter Namen Firestone die US-Cartserien und kannte die Strecke in Amerika wesentlich besser als Michelin. Schumacher ließ deshalb schon vor dem Rennen wissen, dass er optimistisch sei, hier gute Karten zu haben. Doch auch der Rekordweltmeister konnte wohl nicht ahnen, was folgte.

Im Training hatte Ralf Schumacher in der Steilkurve einen Reifenschaden, der zu so einem schweren Unfall führte, dass der Williams-Pilot das Wochenende nicht mehr weiterfahren konnte. Er sollte nicht der einzige Michelin-Pilot bleiben, der in den Trainings Probleme mit den Reifen hatte. Schließlich erklärte der französische Hersteller, dass er den falschen Reifensatz mitgebracht habe und nicht für einen sicheren Ablauf des Rennens garantieren könne. Er wolle gerne einen schnell eingeflogenen Ersatz-Satz einsetzen. Die FIA war bereits, dies zu akzeptieren, erklärte allerdings, dass die Michelin-Teams aufgrund eines erheblichen Regelverstoßes mit schweren Zeitstrafen zu rechnen hätten: 25 Sekunden pro neuen Reifen!

Die Michelin-Teams lehnten dies ab und schlugen stattdessen vor, eine alternative Streckenführung zu wählen und die Steilkurve auszulassen. Dies scheiterte am Widerstand der Bridgestone-Teams und insbesondere am Veto von Ferrari. Die Scuderia regte an, dass die Michelin-Teams stattdessen ja durch die Boxengasse fahren könnten. Der Vorschlag war wohl mehr als Provokation gemeint und wurde als solche abgelehnt. Die Michelin-Teams drohten, man werde das Rennen sabotieren, wenn es keine veränderte Streckenführung geben würde – und sie machten ernst. Nach der Einführungsrunde holten sie ihre Fahrzeuge vor den laufenden Kameras in die Box. Kein Pilot erlag der Versuchung, einige Meter zu fahren, um so wenigstens sichere Punkte zu holen, die es damals bis Rang acht gab. Der Lauf fand mit sechs Autos statt: Ferrari holte einen Doppelsieg – die Formel 1 verlor jedoch für Jahre die USA.

Das Video zum Formel 1 Skandal von Indianapolis 2005

1968: Kyalami – Grand Prix von Südafrika

Zum ersten Mal in der Formel 1-Historie war eine Zigarettenwerbung auf einem Boliden zu sehen. Der Tabakkonzern John Player hatte sich die Rechte, sein Emblem auf dem Wagen des Lotus-Teams zu platzieren, gesichert. Zwar sorgte dies für weltweite Empörung, doch kurz darauf folgten alle F1-Teams dem Ruf verschiedener Zigarettenhersteller und stellten ihre Fahrzeuge als Werbefläche zur Verfügung.

1991: Montreal – Grand Prix von Kanada

Der weit in Führung liegende Nigel Mansell war sich seines Sieges so sicher, dass er während der letzten Runde bereits begann den Zuschauern jubelnd zuzuwinken. Aufgrund einer Unaufmerksamkeit kam es jedoch zur Blockade in der Gangschaltung, woraufhin die Elektronik seines Boliden versagte und der Motor ausging. Infolgedessen verlor Mansell so viel Zeit, dass er von einigen Fahrern überholt wurde und schließlich nur als Sechstplatzierter das Rennen beendete.

1997: Jerez – Grand Prix von Europa

Beim letzten Rennen der Saison sollte die Entscheidung um die Weltmeisterschaft zwischen Michael Schumacher (Ferrari) und Jacques Villeneuve (Williams) in Jerez fallen. Schumacher lag lange Zeit vor Villeneuve, doch der Williams-Pilot kam mit Fortdauer des Rennens immer näher an den Kerpener heran. Als der Kanadier zum Überholmanöver ansetzte, wurde er von Schumacher vorsätzlich gerammt. Der Williams-Pilot trug nur geringen Schaden davon, während der Deutsche im Kies landete und ausschied. Wären beide ausgeschieden, hätte Schumachers Punktevorsprung für den WM-Titel ausgereicht. So fuhr Villeneuve jedoch zu seinem ersten und letzten Weltmeistertitel. Aufgrund dieser Aktion wurden Schumi all seine Saisonpunkte aberkannt und verlor somit auch den Vize-Weltmeistertitel.

2006: Monaco – Grand Prix von Monaco

Der in Führung liegende Michael Schumacher stellte kurz vor Ende des Qualifying-Durchgangs seinen Boliden direkt auf der Rennstrecke in der Rascasse-Kurve ab. Aufgrund dieses Hindernisses war es keinem der nachfolgenden Fahrer möglich, seine Rundenzeit zu verbessern. Später erklärte Schumacher dies mit einem Fahrfehler. Die Rennleitung sah das anders, wertete die Aktion als Absicht und versetzte Schumi vom ersten auf den letzten Startplatz.

In der Formel 1 Saison 2008 – Skandal um „Mad Max“ Mosley

Eine englische Zeitung veröffentlichte ein Sex-Video. Darauf soll Max Mosley, der damalige Präsident der FIA, mit fünf Prostituierten zu sehen sein. Dabei wurde ihm zusätzlich vorgeworfen währenddessen nationalsozialistische Rollenspiele durchgeführt zu haben. Mosley distanzierte sich stets vom Stattfinden derartiger Rollenspiele, die Echtheit der Aufnahmen zweifelte er jedoch niemals öffentlich an. Die ganze Sache endete vor Gericht und diverse Zeitungsverlage wurden aufgrund des Eingriffs in die Privatsphäre zu Schadensersatzzahlungen verdonnert. Schließlich einigten sich die Parteien jedoch außergerichtlich.

Ebenso im F1-Jahr 2008 – Eddie Irvine rastet aus

Eddie Irvine, der ehemalige Formel 1 Fahrer und Teamkollege Schumachers, leistete sich eine handfeste Auseinandersetzung mit Gabriele Moratti, dem Sohn der damaligen Bürgermeisterin von Mailand. In einer Mailänder Diskothek gerieten die beiden Streithähne aneinander und verletzten sich gegenseitig leicht. Die beiden Widersacher wurden 2014 zu jeweils einem halben Jahr Haft verurteilt, dagegen soll noch Revision eingelegt werden.

Der Skandal um F1-Pilot Adrian Sutil 

Ein Münchner Gericht verurteilte Adrian Sutil, vom Team Sauber, wegen einer höchst unsauberen Aktion zu einer Strafzahlung in Höhe von 200.000 Euro. Er geriet mit dem Lotus-Miteigentümer, Eric Lux, in einem Shanghaier Club in einen Streit und verletzte diesen mit einem Glas am Hals. Sutil dementierte den Tathergang bis zuletzt, nahm das Urteil jedoch an. Neben der Geldstrafe bekam er eine Bewährungsstrafe aufgebrummt.