Vettel-Rundumschlag nach Strafe

Sebastian Vettel ist auch wenige Tage nach der umstrittenen Fünf-Sekunden-Zeitstrafe, die ihn um den Sieg beim Großen Preis von Kanada brachte, stinksauer. Der 31-jährige Deutsche sprach von einer „überreglementierten“ Königsklasse und Gesellschaft allgemein, die Formel 1 sei heute „nicht mehr der Sport, in den ich mich einst verliebt habe“.

Umstrittene Entscheidung

Bereits nach dem Rennen fand der vierfache Weltmeister deutliche Worte und kritisierte die Stewards für ihre Entscheidung scharf. Ausgangspunkt war ein Fahrfehler des Heppenheimers, in dessen Anschluss er um Haaresbreite mit Verfolger Lewis Hamilton kollidierte. Während sich Experten und Fans großteils einig waren, dass Vettel sich dabei nicht falsch verhalten hat, waren die Stewards anderer Meinung und brummten dem Führenden eine Zeitstrafe auf, die ihm schließlich den Sieg kostete. Davon profitierte Hamilton, der mit seinem siebten Kanada-Sieg mit Rekordhalter Michael Schumacher gleichzog und in der WM-Wertung nun bereits 29 Zähler vor Teamkollege Valtteri Bottas liegt. Der Brite gab sich wie Mercedes-Boss Toto Wolff in der Bewertung der Situation zurückhaltend und wollte sich nicht festlegen, ob die Strafe gerechtfertigt war.

Vettel hingegen konnte sich kaum beruhigen, zahlreiche Experten pflichteten dem Deutschen mit ihrer Einschätzung bei. Kontra erhielt er ausgerechnet von seinen Landsleuten Nico Rosberg und Ralf Schumacher. Der Weltmeister von 2016 bezeichnete die Strafe als „absolut gerechtfertigt“ und kritisierte Vettel für seinen erneuten Patzer im Zweikampf mit Hamilton. Schumacher bezog sich besonders auf das Verhalten des Ferrari-Piloten nach dem Rennen und nannte dieses „kindisch.“ Auch auf die F1 Wetten hatte die Strafe eine Auswirkung, denn der Sieg wurde auch hier an Hamilton weitergegeben.

Hamilton auf Rekordjagd

Während Vettel im Titelkampf die Felle endgültig davonschwimmen, scheint der sechste Titel für Hamilton bereits nach dem ersten Saisondrittel nur Formsache zu sein. Nachdem Teamkollege Bottas den Weltmeister anfangs ordentlich in Bedrängnis brachte, scheint seit dem Großen Preis von Monaco die interne Mercedes-Hierarchie wieder hergestellt. Mit nunmehr 78 GP-Erfolgen jagt Hamilton nun auch den Allzeit-Rekord von 91 Siegen, den Michael Schumacher hält. Theoretisch könnte der 34-jährige diese Bestmarke sogar in der heurigen Saison übertreffen.