WM-Wende durch „Wundermotor“?

Die Formel-1-Saison 2021 entwickelt sich immer mehr zu einem absoluten Krimi. Nachdem im Anschluss an den Mexiko-Grand Prix der erste WM-Titel für Max Verstappen nur noch Formsache schien, hat sich das Blatt in Brasilien ein weiteres Mal gewendet. Mit einer beeindruckenden Vorstellung brachten sich Lewis Hamilton und Mercedes zurück in die Verlosung. Bei Red Bull schrillen nach dem dominanten Auftritt die Alarmglocken. Auch die Quoten auf den F1-WM-Titel sind wieder ausgeglichener, als noch eine Woche zuvor.

Keine Chance auf den Geraden

Es war schon phasenweise kaum zu glauben, mit welcher Leichtigkeit Hamilton an seinen Gegnern auf den Geraden vorbeizog. Mit neuem Verbrennungsmotor dominierte der siebenfache Weltmeister nach Belieben und gewann ein Rennen, in dem eigentlich alle Vorzeichen gegen ihn standen. Nach der überlegenen Bestzeit im Qualifying am Freitag folgte der Schock: regelwidriger Heckflügel, Disqualifikation und Start von ganz hinten im Sprint. Dort machte der Brite in 24 Runden unglaubliche 15 Plätze gut und fuhr auf Rang fünf vor. Mit der Motorenstrafe machte das Startplatz zehn, von dem aus der 101-fache GP-Sieger unaufhaltsam durch das Feld pflügte und sich schlussendlich auch Leader Verstappen einige Runden vor Schluss schnappen konnte. Mit Saisonsieg Nummer sechs verkürzte „Sir Lewis“ den Rückstand auf 14 Zähler, drei Rennen vor Schluss scheinen sich die Vorzeichen im Titelkampf gedreht zu haben. Die Red Bull-Bosse Christian Horner und Helmut Marko waren jedenfalls schwer beeindruckt von der Leistung der Silberpfeile und sehen die eigenen WM-Chancen bereits schwinden. „Wenn es so weiter geht, sehe ich schwarz für die Meisterschaft“, gab ein sichtlich perplexer „Doktor“ zu Protokoll. Tatsächlich könnten die verbleibenden Strecken eher für den Titelverteidiger sprechen. In Katar ist alles offen, Saudi-Arabien dürfte aber aufgrund der langen Gerade Mercedes-Terrain sein. In Abu Dhabi waren zuletzt beide Teams stark, das etwas geänderte Layout könnte aber ebenfalls dem Serienchampion in die Karten spielen.

Spannung bis zum Schluss

Klar ist jedenfalls, dass sich die Fans auf ein Herzschlagfinale freuen dürfen, wie es in der Königsklasse lange nicht der Fall war. Zuletzt gab es 2012 ein Duell zwischen Fahrern von zwei verschiedenen Teams, die erst im letzten Rennen den Titel unter sich ausmachten. Der Ausgang ist bekannt: Sebastian Vettel und Red Bull setzten sich hauchdünn gegen Fernando Alonso und Ferrari durch. Ob die Bullen auch heuer jubeln dürfen? In wenigen Wochen wissen wir mehr.